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Erste Ergebnisse zu Vorarlberger Materialvergleichsbau

Wie kommt es beim gleichen Bau besser im Hinblick auf CO2-Bilanz, ökologischen Fussabdruck und Lebenszykluskosten: mit Holz oder Beton? Ein Bauprojekt in Vorarlberg mit zwei in der Anlage praktisch identischen, aber verschieden materialisierten Mehrfamilienhäusern soll Antworten auf diese Frage liefern. Jetzt liegen erste Resultate vor.

Die Bregenzer Baufirma Rhomberg startete im April 2018 gemeinsam mit der Wohnbauselbsthilfe, dem Energieinstitut Vorarlberg und weiteren Partnern ein besonderes Projekt: An der Lerchenstrasse in Wolfurt begann der Bau zweier fast gleichartiger mehrgeschossiger Passivhäuser mit insgesamt 33 Wohneinheiten und gemeinsamer Tiefgarage. Der kleine Unterschied: Das eine Mehrfamilienhaus entstand aus Holz, das andere aus Stahlbeton. Der Holzbau ist am Ende ein Geschoss höher geworden als der Massivbau, weil dieser aufgrund behördlicher Auflagen nicht so hoch werden durfte wie geplant.
Bau und Betrieb der beiden Häuser werden wissenschaftlich begleitet. Vom Vergleich der beiden Bauweisen erhofft man sich neue Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit des Holzwohnbaus im Vergleich zu einer massiven Bauweise. Einen Abschlussbericht gibt es noch nicht, und für Daten aus dem Betrieb ist es noch zu früh. Aber einige Aussagen lassen sich doch bereits machen, wie Torben Nakoinz von Rhomberg Bau auf Anfrage erklärt.
 
 
Im Vorarlberg werden zwei identische Bauten aus Holz und Beton wissenschaftlich verglichen. Bild: Rhomberg Bau
 

Holzbau geht schnell und schont die Nachbarschaft

Zum Beispiel bestätigt sich der Zeitvorteil der Holzbauweise: «Bei der Bauzeit sind wir mittlerweile in der Lage, ein Holzgebäude wie in der Lerchenstrasse in sechs Monaten zu realisieren. Die Massivbauweise schlägt mit rund einem Jahr zu Buche.» Allerdings, räumt Nakoinz ein, falle der direkte Vergleich in der Lerchenstrasse etwas schwer, da die Gebäude in Bereichen wie der Aussenanlage gewerketechnisch zusammenhingen und somit der Bauablauf nicht komplett getrennt betrachtet werden könne.
«Wir sind aber auch der Meinung, dass bei der Bauzeit von sechs Monaten durch eine weitere und vertiefte Vorfertigung und die Anwendung von LEAN noch eine deutliche zusätzliche Bauzeitreduktion möglich sein wird», erklärt Nakoinz. Und: Beim Holzbau stand das Gerüst gerade einmal zwei Wochen, beim Massivbau allein für die Fassade vier. Das sei hinsichtlich Optik, Ästhetik und Nachbarschaft ein nicht ganz unwichtiger Unterschied, meint Nakoinz. Ebenso sei die Holzbauweise von den notwendigen Transporten her ganz klar «nachbarschonender» als der Massivbau.
 

Holz- und Massivbauvariante preislich gleichauf

Nakoinz erklärt, Rhomberg habe bei seinen ersten Holzbauten vor einigen Jahren mit Preisdifferenzen bis zu 10% im Vergleich zum herkömmlichen Massivbau mit Wärmedämmverbundsystem zu kämpfen gehabt. Doch das sei Geschichte: «Mittlerweile sind wir in der Lage, unsere Holzbauten einschliesslich der Holzfassade zum praktisch selben Preis wie einen Massivbau mit Wärmedämmverbundsystem zu errichten.» Bei der Lerchenstrasse, so Nakoinz, könne das Ergebnis als gleichpreisig angesehen werden. Bei einzelnen Projekten, die zum Beispiel mit Blick auf die Grundrisse besonders gut auf einen Holzbau zugeschnitten seien, sei es aber auch schon gelungen, damit eine höhere Wirtschaftlichkeit als beim Betonbau zu erzielen.
Beim Verkauf der Privatwohnungen hätten sich bei den Kunden keine spürbaren Präferenzen für eine Bleibe im Holz- oder Massivbau erkennen lassen. Da alle Wohnungen preislich gleichwertig vermarktet worden seien, hätten die Kunden ausschliesslich auf Geschoss, Ausrichtung und Aussicht geachtet. Ein Grossteil habe die Frage «Holzdecke ja oder nein?» neutral beantwortet. Umgekehrt sei für niemanden die Holzoptik kritisch oder gar störend gewesen.